Du bist doch selbst dran schuld…

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“Warum meldest Du sie denn  nicht gleich vom Kindergarten ab, das wird doch eh nichts! Du bist doch selbst dran schuld das sie nie rechtzeitig ins Bett geht, so wie Du sie verwöhnst!”

Bumm, die Worte hallen durch meinen Kopf. Fassungslos stehe ich da, merke wie meine Tränen immer höher steigen und ich sie kaum noch zurück halten kann. “Du bist, doch selbst dran schuld…Du bist doch…schuld!” Ich mag nicht glauben was ich höre…versuche mich dagegen zu wehren, aber es geht nicht. Immer wieder höre ich die Worte in meinem Kopf. Sie reißen und zerren, sie vernichten und lassen mich innerlich zerspringen. Ich höre sie nicht zum ersten Mal, aber diese Tatsache machen sie nicht besser. Sie klingen so unwirklich und doch wurden sie gesagt. Auch unausgesprochen weiß ich was man mir damit sagen will. Ich bin keine gute Mutter, ich mache alles falsch sagen diese Worte. 

Langsam ziehe ich meine Schuhe an. Tochter schaut zu mir, ich gehe zur Haustür. Sie fängt bitterlich an zu weinen und sagt ich soll nicht gehen. Ich hadere…noch zwei Schritte schreit mein Herz:”Da ist die Tür, bitte geh einfach raus, lauf eine Runde um den Blog und komm dann wieder zurück, hilf mir…lass mich nicht zerreißen, GEH RAUS!

Ich drehe mich um und nehme mein weinendes Kind in den Arm…ich kann nicht gehen. Niemals könnte ich sie so zurück lassen. Sie ist mein Leben, sie ist mein ein und alles, ich kann nicht gehen, kann sie so nicht stehen lassen, dann würde ich erst recht kaputt gehen. Vorsichtig trage ich sie ins Schlafzimmer und trockne ihre Tränen. Sie gibt mir ihre Lieblingspuppe und sagt ich soll mich erstmal beruhigen. Wie liebevoll sie ist, wie emphatisch, so zart, so rein, so unschuldig. Ich habe ihr weh getan, ihr, die in dem Moment gar nichts dafür konnte und sie reicht mir ohne zu zögern die Hand.

Mein Herz blutet noch immer, die Worte sind immer noch in meinem Kopf…“Du bist schuld…!” Aber ich kann nicht weg. Ich muss sie ertragen … ertragen wie so oft schon. Und wie so oft sitze ich einfach nur da und schlucke meinen Schmerz hinunter. Wielange wird das noch so gehen?

Ich stelle mir die Frage ob es stimmt…bin ich wirklich schuld? Habe ich mein süßes Mädchen verzogen? Diese unschuldige Wesen, das soviel Herz zeigt, obwohl die Mama sie zuvor verletzt hat?

Habe ich sie verzogen weil ich sie nicht abends rigoros ins Bett schicke? Wenn sie nicht müde ist, weil ich sie dann nicht zwinge zu schlafen? Ist das der Grund? Bin ich deshalb schuldig?

Mich quält mein schlechtes Gewissen, aber nicht weil ich alles falsch gemacht habe. Nein, weil ich dieses Mal nicht stark genug war um meinen Schmerz zu verbergen. Ich ließ ihn zu und verletzte den wichtigsten Menschen in meinem Leben dadurch…meine Tochter.

Auf stehen, Krönchen richten, ja das werde ich tun, immer und immer wieder und keiner wird es mehr schaffen mir so weh zu tun! Ich werde gebraucht, vielleicht nicht von vielen, aber auf jeden Fall von meinem Kind und das ist das Beste was mir je passieren konnte. Dass ist es wert immer wieder aufzustehen und weiter zu kämpfen und das werde ich.

Und ich glaube, wenn ich nicht so “inkonsequent” gegenüber meiner Tochter wäre, wenn ich so gnadenlos wäre wie man von mir erwartet, dann wäre sie heute nicht das liebevolle Mädchen das sie ist, sondern genauso kalt und gefühllos wie manchen den ich kenne.

Wenn ich diese Zeilen jetzt so lese, dann bin ich mir ganz sicher, NEIN, mich trifft keine Schuld. Es ist alles gut wie es ist. Ich versuche auf mein Kind einzugehen und auch wenn ich in manchen Momenten vielleicht schwach bin…ich bin keine schlechte Mutter, denn wenn ich eine wäre…dann wäre ich zur Tür hinaus gegangen…

Eure Nicole.

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