Erziehung- Ratschläge können gut sein…manchmal aber auch nicht…

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Bevor Mausi auf die Welt kam, machte ich mir nie groß Gedanken um irgentwelche Erziehungsstile. Ich war der Überzeugung das ich schon instinktiv aus dem Bauch heraus handeln werde. Das habe ich schon immer getan und darauf verließ ich mch auch, egal in welcher Situation. Dann war es soweit, unser Sonnenschein war bei uns und ab da war natürlich nichts mehr wie es sein sollte. Die Anfangszeit als Mutter ist nie leicht, das war mir klar, aber das sie so schwer werden würde, damit hatte ich nicht gerechnet…aber das lag nicht nur an uns…

Sofort brasselten von überall her gut gemeinte Ratschläge auf mich ein, die mich total wanken ließen, weil sie überhaupt nicht zu dem passten was ich fühlte. Das fing schon beim Schlafen an. Das Kind darf nicht zu uns ins Bett, das ist zu gefährlich, denk doch an den plötzlichen Kindstod. Klar dachte ich an ihn, aber mein Bauch sagte mir das ich es doch eher mitbekommen würde wenn Mausi dicht neben mir liegt. “Nein” hieß es, “zu gefährlich”. Da mein Bauch aber weiterhin sagte es ist richtig wenn sie bei uns ist, ließ ich sie in unserem Bett, hatte aber verstärkt Angst. Eine Zwickmühle. Irgendwann überwog die Angst und ich stellte ihr Bettchen an unseres. Dort schlief sie dann, immer noch nah bei mir, aber halt nicht in unserem Bett. Ein Kompromiss mit dem ich erstmal leben konnte, obwohl es nicht ganz das war was ich mir in dem Moment gewünscht hatte.

Nach einiger Zeit hieß es, es ist jetzt an der Zeit das Mausi auch lernt alleine einzuschlafen, am besten im eigenen Zimmer. Mir sträubten sich bei dem Gedanken die Haare. Ein gerade mal 6 Monate altes Kind soll alleine ohne Mama oder Papa einschlafen, am besten noch im eigenen Zimmer. Wenn sie am Anfang weint wäre das ganz normal, sie müsse sich ja erstmal dran gewöhnen. Ernsthaft? Ich dachte die spinnen und für mich war sofort klar, sowas tue ich meinem Kind nicht an. Lieber sanft. Sie blieb erst noch in unserem Zimmer und ich bei ihr, später dann der Mittagsschlaf in ihrem Zimmer und ich dabei bis sie schlief. Sofort wenn sie wach wurde und weinte war ich bei ihr. So klappte es auch im eigenen Zimmer nachts zu schlafen.

Allerdings fühlte es sich für mich nie richtig an. Für mich war Mausi einfach noch zu klein um alleine in einem Zimmer zu sein und ich fand es auch ungerecht das Mama und Papa zusammen im Zimmer schlafen, das Kind MUSS aber raus. Ich hätte nie gedacht das ich so beeinflussbar bin durch Sprüche wie “Das Kind muss raus, sonst bekommt ihr sie später nie mehr raus”, “Ihr verwöhnt sie wenn sie immer bei Euch schlafen darf”. Im Herzen spürte ich dass das nicht stimmen kann, ich redete mir aber ein das die Anderen ja schon Kinder haben und es besser wissen müssen. War echt Blödsinn. Mausi schläft ja jetzt auch wieder bei uns und wir sind alle glücklich damit. Keiner von uns macht sich mehr Gedanken ob sie später mal alleine schläft oder nicht (ich kann mir nicht vorstellen das sie mit 18 Jahren immer noch bei uns im Bett schläft, grins) und auch die Stimmen von außen sind verstummt. Ich habe es nett, aber nachdrüklich unterbunden. Es ist unsere Familie und wir entscheiden. Gut finden es die meisten wahrscheinlich nicht und ich möchte auch nicht wissen was sie denken. Das ist deren Problem, wir haben keins :-D.

Aber es geht ja nicht nur ums Thema Schlafen. In jeglicher Beziehung hört man die “gut” gemeinten Ratschläge. Sei es beim essen “Jetzt muss die Kleine aber bald mal richtiges essen bekommen und nicht immer diese Milchflasche”. Mausi wollte noch bis etwa 2,5 Jahren abends ihre Flaschi und für uns war das völlig ok. Warum sollte ich es ihr verweigern? Verstanden manche aber nicht, da Mausi zu dem Zeitpunkt auch eine eher schlechte Esserin war. “Das liegt bestimmt an der Flasche abends, sie kann ja tagsüber gar keinen Hunger haben, schnell Flasche abgewöhnen.” Dadurch ließ ich mich aber nicht beeinflussen, sondern ließ Mausi selbst entscheiden wann sie sie nicht mehr möchte, denn ich glaube nicht das es an der Flasche lag das sie tagsüber nicht aß.

Am schlimmsten fand ich die Ratschläge als Mausi in der Autonomiephase kam. “Ihr müsst härter durchgreifen, die tanzt Euch ja auf der Nase rum”, “Bei uns würde es dieses Bocken aber nicht geben, das würde ich sofort unterbinden!”, “Was sie ist schon wieder so spät ins Bett, das geht gar nicht, sie muss lernen zu festen Zeiten zu schlafen!” Bla,bla,bla! In solchen Momenten würde ich am liebsten im Boden versinken. Aber nicht weil ich mich schäme das es bei uns halt anders läuft, nein, sondern um das alles nicht mehr hören zu müssen. Ich habe manchmal das Gefühl die Menschen reden hier nicht von Kindern, sondern von irgendwelchen programmierbaren Robotern ohne Herz und Seele. Ich kann doch nicht ernsthaft von einem hellwachen Kind erwarten das es die Augen zumacht und auf der Stelle einschläft. Das schafft kein Mensch. Das ich stattdessen mit Mausi ins Bett gehe (in unser Familienbett), ihr vorlese, für sie singe, ihre Hand halte und sie so sanft einschlafen kann wenn sie müde ist, das verstehen viele nicht, weil Mausi ja schon 3 Jahre alt ist und man das in dem Alter nicht mehr macht. Warum denn nicht? Mausi ist immer noch ein kleines Kind das viel Nähe und liebe braucht. Mal davon abgesehen, ich würde auch meiner 10 jährigen Mausi noch die Hand halten wenn sie es an diesem Tag braucht. das hat für mich nämlich nichts mit dem Alter, sondern mit der momentanen Situation zu tun.

“Wenn sie “trotzt” dann muss man streng sein, man darf das nicht einfach hinnehmen, das wird dann immer schlimmer…” – nein, ich habe diese Erfahrungen nicht gemacht. Im Gegenteil. Gehen wir auf Mausi ein wenn sie gerade in dieser Situation steckt, dann ist ihr Wutanfall viel schneller vorbei. Klar, wegzaubern können wir ihn nicht, aber ich habe einfach das Gefühl das Mausi glücklicher ist wenn wir versuchen gemeinsam eine Lösung zu finden, anstatt dass wir sinnlos mit ihr meckern. Ist doch bei uns Erwachsenen nicht anders. Wenn ich sauer bin, dann will ich auch nicht gesagt bekommen das ich mich nicht so anstellen soll, sondern ich freue mich über ehrliche Zuwendung und eventuell Hilfestellung.

Es macht mich total traurig, dass ich wirklich so beeinflussbar war und Mausi “strenger” behandelt habe. Ich habe geschimpft bei einem Trotzanfall weil ich Angst hatte sie tanze mir sonst auf der Nase rum. Mein Bauch schrie mich an das ich das lassen soll, aber ich tat es einfach, weil man das ja so macht, das wäre richtig so und irgendwann fing ich tatsächlich an daran zu glauben, da Mausi ja darauf reagierte. Was ich nicht wusste, sie reagierte nicht darauf weil sie es verstand, sondern weil sie einfach resignierte “Nimmt mich ja eh keiner ernst”. Dafür könnte ich mir wirklich in den A… beißen und hoffe Mausi verzeiht mir das :-(.

Längere Zeit schwankte ich dann zwischen verständnisvoll, resignieren und wieder schimpfen. Glücklich war ich nicht und ich hatte das Gefühl das unsere ganze Familie darunter leidet. Darum stellte ich von heute auf morgen alles um. Ich ignorierte nicht weiter unsere Bedürfnisse. Grenzen gab es weiterhin und zwar die meines Mannes, Mausi und mir. Was wir wirklich nicht mochten, wurde deutlich gesagt und die anderen respektieren das auch. Es wurde zusehnst einfacher, obwohl ich sagen musste das die Umstellung nicht einfach war. Zu sehr war das Vorherige festgefahren, eingebläut und für “richtig” abgespeichert. Wir mussten uns alle wieder daran gewöhnen und das finde ich traurig. Man muss sich wieder an etwas gewöhnen das man eigentlich im inneren schon immer gefühlt und für richtig befunden hat. So sollte das nicht sein.

Mausi tanzt uns übrigens nicht auf der Nase herum, grins, nein wir tanzen einfach gemeinsam ;-). Jeder darf seine Wünsche äußern und es wird abgewogen ob es möglich ist oder nicht. Denn nicht alles ist machbar und ab und zu muss ich auch nein sagen. Es gibt nur einen Unterschied zu vorher: ich werde nicht mehr so schnell sauer wenn Mausi “bockt”, sondern erkläre ihr, wenn sie soweit ist, warum ich diesmal nein sagen musste. Klar geht das nicht immer ohne Diskussionen, aber man sollte versuchen sachlich zu bleiben und eine gemeinsam nach einer Lösung zu suchen um alle Bedürfnisse zu stillen. Perfekt ist niemand und auch ich verfalle manchmal noch in alte Muster, versuche dann aber auch zu erklären warum ich nun geschimpft habe. Ich habe einfach das Gefühl das Mausi das so viel besser versteht. Mama redet halt nicht immer “lieb” mit mir, aber sie hat ihre Gründe warum. Vorher war es oft so das ich losgepolltert habe und in meiner eigenen Wut einfach vergessen habe zu erklären warum ich sauer war. So lernt natürlich kein Kind mit Emotionen anderer umzugehen.

Da es immer mal wieder Situationen gibt in denen man nicht weiter weiß und wirklich einen Ratschlag braucht, habe ich mir das Buch von “Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn” gekauft. Das enthält für mich wirklich Ratschläge die ich anwenden kann. Die sich für unsere Familie gut anfühlen und die uns wirklich etwas bringen.

Ich möchte mit meinem Beitrag nicht sagen das die Ratschläge die wir bekommen habe ganz falsch sind (bis auf das Schreien lassen beim Schlafen, DAS ist total falsch und sollte keiner machen), aber sie sind halt nicht passend für alle Familien. Es war ein langer Weg, bis wir unseren Weg gefunden haben (Das kann man ja auch hier auf dem Blog verfolgen. Ich habe schon Beiträge geschrieben, die sich anders anhörten, “dieser” zum Beispiel. Ich hoffe, dass ich damals niemanden damit vor den Kopf gestoßen habe), aber es ist egal wie steinig der Weg ist, man sollte trotzdem versuchen ihn zu finden und ihn dann auch zu gehen…egal ob andere das gut oder schlecht finden. Denn nicht sie müssen glücklich damit werden, sondern man selbst!

5 thoughts on “Erziehung- Ratschläge können gut sein…manchmal aber auch nicht…

  1. Wieder ein toller Text, Nicole.
    Schön, dass ihr jetzt euren Weg gefunden habt. Klar, nicht immer klappt alles einwandfrei, aber das gehört schon so.
    Bei unserem Dean hatten wir auch das Thema mit dem Essen. Er liebte seine Milch. Er war schon 3(!) Jahre und trank hauptsächlich Milch. Mir wurde auch geraten, ich solle ihm die Milch einfach wegnehmen. Von jetzt auf gleich. Machte ich nicht. Ich fragte meinen Kinderarzt. Und der meinte: Hören Sie auf Ihr Gefühl und verlassen Sie sich auf ihr Kind. Er ist top fit. Also lassen Sie ihn. Er weiß schon, was er tut” ?
    Das war so toll, dass ich nur mehr auf den Rat des Kinderarztes hörte. In jeder Situation.
    Unser Mupfel schläft auch noch bei uns und manchmal kommen Mad Max und Dean auch noch zu uns. Das passt so. Punkt ?
    Sorry, etwas lang geworden ?

    1. Hallo Babsi, Dankeschön, ich freue mich das er Dir gefällt und Du darfst soviel schreiben wie Du möchtest :-D.
      Wir redeten damals auch mit der Kinderärztin wegen der Milch und sie meinte das es ihr noch gut tut und sie kann sie ruhig
      weiter trinken.
      Ich finde es toll das Euer Mupfel noch bei Euch schläft und auch das die anderen Beiden auch noch zu Euch kommen. Ist doch
      schön wenn die Kleinen uns noch so brauchen. Die Zeit geht irgendwann auch rum, wir sollten das genießen.
      Liebe Grüße, Nicole.

      1. Ja, es ist schön, wenn sie kuscheln kommen. Zwar ist dann kaum mehr Platz im Bett, aber das macht nichts 🙂
        Denn du hast recht, irgendwann ist diese Zeit vorbei. Also lieber genießen 🙂
        LG Babsi

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