Hochsensibel (HSP) – was ist das?

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Wenn ich sage mir ist es zu laut, zu stickig, zu warm, zu kalt, mir wird das zuviel usw. dann bekomme ich oft ungläubige Blicke und Aussagen/Fragen wie:

“Wieso, so laut/stickig/warm/kalt ist es doch gar nicht!” oder

“Warum wird es Dir denn zuviel, ist doch alles normal!?”

Nein, bei mir ist es eben nicht mehr normal in dem Moment…

Und wenn ich dann versuchte zu erklären das ich hochsensibel bin wurde es noch schlimmer. Entweder wurde ich gar nicht erst ernst genommen, oder es hieß ich mache mich doch nur wichtig, will was besonderes sein, weil sensibel sind wir doch alle. Oder ich wurde statt HOCHsensibel als ZUsensibel hingestellt.

Beides stimmt natürlich nicht.

HSP – Hochsensibel, damit können die meisten erstmal nichts anfangen. Verstehe ich, ging mir nicht anders. Als Teenager wunderte ich mich zwar das ich bei vielen Sachen stärker reagierte als Andere (z.B. ertrug ich laute Musik in Discos nie lange), aber warum das so war, darüber machte ich mir erstmal keine Gedanken…

Dann kam der Berufsalltag dazu und wieder merkte ich, dass ich viel schneller an meine Grenzen kam als meine Kollegen. Ich war total schnell gereizt, hatte das Gefühl mir wird alles zuviel und ich wäre am liebsten davon gelaufen, was natürlich nicht ging.

Da wurde ich zum ersten Mal stutzig und ich begann zu forschen. Ziemlich schnell kam ich zu der Seite “Zart besaitet”. Dort fand ich mich endlich wieder und fühlte mich verstanden. Ich war also doch normal, grins und nicht wie Andere öfters sagten, ein “Piensschen”.

Nur wie jetzt weiter mit der Erkenntnis dass man zwar normal, aber halt hochsensibel ist? Unsere heutige Zeit ist nun mal laut und schnell und genau diese beiden Faktoren beißen sich sehr oft mit HSP. Am liebsten möchte man alles langsam angehen, nichts verändern und viele Ruhephasen einbauen. Tja, macht das mal im Alltag, nicht so einfach, oder? Einfach zusammenreißen ist aber auch nicht. Ich persönlich machte es dann so, dass ich möglichst nach Feierabend wenig Reizen ausgesetzt war, sozusagen zum Auftanken. Discobesuche waren eh nie so mein Ding und große Feste mit vielen Menschen auch nicht.

Damit fuhr ich ganz gut (mal davon abgesehen das zwischenzeitlich noch die Angsterkrankung dazwischen schoss, aber das ist ein anderes Thema).

Bis ich Mutter wurde…

In der Schwangerschaft und nach der Geburt verstärkte sich das HSP noch einmal. Plötzlich reagierte ich total empfindlich auf Gerüche. Das ist zwar in der Schwangerschaft normal, verschwindet aber in der Regel nach der Geburt wieder. Bei mir nicht so.

Wie froh war ich da, als es hieß, Babys sollten möglichst keine Duftstoffe in Badezusätzen usw. haben…also kein zusätzlicher Gestank für meine Nase bei dem ich wieder erklären musste warum ich es nicht mag :-).

Es beschränkte sich aber nicht nur auf Kosmetikartikel, sondern auch auf Waschmittel und Weichspüler. Ich bekam regelrecht Luftnot wenn ich es roch. Ich steckte ganz schön in der Zwickmühle, denn 90% aller die ich kenne benutzen solche und wie erkläre ich denen was mit mir los ist?! Gar nicht entschloss ich mich, ich war des Erklärens mittlerweile nämlich schon müde. Lediglich das ich es nicht riechen kann und schlechter Luft bekam sagte ich. Meistens genügte das auch schon. Ist ja die Wahrheit, nur ich wollte einfach nicht mehr erklären warum das bei mir noch ausgeprägter ist wie bei Anderen.

Was auch schwieriger geworden ist, ist das mit dem Geräuschpegel. Wie oben beschrieben sind laute Geräusche nicht lange aushaltbar und man denkt es explodiert gleich im Kopf wenn das nicht aufhört. Nur wie erklärt man das einem Baby oder später Kleinkind? Wieder…gar nicht…sie können das nicht verstehen. In dem Fall hilft wieder nur Oasen schaffen so gut es geht. Da hat mir Herr G super geholfen. Er nahm Mausi immer dann mal für eine Stunde ab wenn er merkte mir wird es zuviel. Dann zog ich mich ins Schlafzimmer zurück und kam gestärkt wieder raus.

Deshalb kann ich jedem raten der ebenfalls ein HSP´ler ist: schafft Euch, so gut es geht, immer mal wieder kleine Auszeiten in denen Ihr nur für Euch sein könnt. Das kann auch abends sein wenn alle anderen Schlafen. Patentrezepte habe ich keine, nur eines vielleicht noch:

Hochsensibel ist keine Krankheit und man sollte sie auch nicht als solche ansehen.

Wer den Verdacht hat er könnte ebenfalls hochsensibel sein, dem empfehle ich oben verlinkte Seite. Dort wird wunderbar beschrieben um was es geht.

Kennt ihr HSP? Habt Ihr es selbst, oder jemand in Eurer Familie, im Freundeskreis?

Eure Nicole.

3 thoughts on “Hochsensibel (HSP) – was ist das?

  1. Hallo Fr. G., bin auch hochsensibel und wünschte mir manchmal, es gäbe eine Technik, das bewusst abzustellen. Ich kann z. B. überhaupt nicht in Läden shoppen – das Licht, die Geräusche, die Gerüche und die Stimmungen der anderen Menschen… danach bin ich komplett erschöpft und tatsächlich versteht das kaum jemand!

    1. Hallo liebe Marte,

      ja das wäre in der Tat schön wenn es da eine Technik gäbe, womit man es es einfach abstellen könnte.
      Mir ist das auch oft zu viel in Kaufhäusern, besonders Parfümerien meide ich wegen den starken Gerüchen.

      Liebe Grüße, Nicole.

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